Gedenkveranstaltung zum 27. Januar



vom 29.01.2017 00:00

„Gedenken schafft Orientierung“

Holocaust-Gedenktag am Städtischen Gymnasium: Beklemmendes Erinnern an Auschwitz

Von Peter Schniederjürgen (Ahlener Zeitung)

AHLEN. Die Opferzahlen der Nazidiktatur sind zu groß, um sie in ihrer Schwere zu erfassen. Zum Holocaustgedenken des Städtischen Gymnasiums am Freitagvormittag nahmen sich die Schülerinnen Selin Atasoy und Ilayda Cihangir das Schicksal eines als Homosexueller verfolgten Mannes an.  Zuvor wurde der Kranz am Mahnmal vor der Schule niedergelegt und Schüler berichteten von den Eindrücken ihrer Krakau-Auschwitz-Fahrt.

Zum Auftakt legten Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Selin Atasoy und Tiara Schmidt den Kranz am Mahnmal nieder. In der Aula begrüßte Dr. Anne Giebel, kommissarische Schulleiterin, Schüler, Lehrer und Gäste. „Gedenken schafft Orientierung“, sagte Giebel zum Eingang des seit dem Jahr 1996 begangenen Gedenktages.

Mit deutlichen Worten protestierte Geschichtslehrer Tobias Meemann, gegen die Entgleisungen seines Lehrerkollegen Björn Höcke, AFD Chef in Thüringen. „Wir müssen uns vorsehen vor der Geschichtsumschreibung solcher völkischer Rassisten“, warnte Tobias Meemann. Er zeigte Bilder der Internetplattform „Yolocaust“, mit der sich ein Künstler kritisch mit respektlosen Internetbeiträgen aus Gedenkstätten der NS Gräuel auseinandersetzt. Er montiert die Selfis über historische Schockbilder und stellt diese Montagen auf die Plattform. „Viele, die hier unbedacht posteten, haben um die Löschung ihrer Fotos gebeten“, so Meemann.

Beklemmend wurde der Beitrag der Schüler. Sie zeigten in einer Bilderreihe die Aufnahmen, die beim Besuch der Todesfabrik Auschwitz am meisten betroffen machten. „Als ich die Berge der Kinderschuhe sah, war ich für einen Moment selber Mutter“, schilderte eine Schülerin. Ein Bild zeigte

die Kratzspuren an den Wänden der Gaskammer oder die unglaubliche Anzahl der Barackenschornsteine, die eine Vorstellung der unglaublichen Größe dieses Todesareals vermittelten.

„Juden, politisch Andersdenkende, religiöse Minderheiten, Roma und Sinti, Kranke sowie Homosexuelle passten nicht in das Bild vom selbst ernannten Herrenmenschen“, zeigte Bürgermeister Dr. Alexander Berger auf. Auch er bezog sich auf die Höcke-Rede zum „Mahnmal der Schande“. „Seid hellwach und lasst euch nicht von diesen Wahrheitsverdrehern und Demagogen beeinflussen, seid kritisch und informiert euch“, mahnte der Bürgermeister. Und ergänzte: „Der tägliche Blick in die Zeitung schärft die Wahrnehmung.“

Zu einem Bild gegen das Vergessen, mit dem Hashtag „We Remember“, beendete das Städtische Gymnasium den Gedenktag.

Stehen gegen das Vergessen: Die Schüler des Städtischen Gymnasiums gedachten am Freitag der Opfer des Holocausts.(Fotos: Peter Schniederjürgen)



Kategorie: Geschichte



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