Gewalt in der Kunstgeschichte



vom 29.01.2017 00:00

Q2 Kunst GK beschäftigt sich mit Menschen- und Körperbild

von Dierck Hartleb (Ahlener Zeitung)

Es ist wie ein Gang durch 2000 Jahre Kunstgeschichte, zu dem Kunstlehrerin Marita Schäper ihre Schüler des Grundkurses Q 2 am Städtischen Gymnasium mit dem Unterrichtsprojekt

„Gewalt“ anhielt. Herausgekommen ist dabei eine Ausstellung mit Dokumenten im Foyer, die einen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart schlägt.

Ausgehend von Albrecht Altdorfers Darstellung „Die Alexanderschlacht“ aus dem Jahr 1528 und Pablo Picassos Gemälde „Guernica“ aus dem Jahr 1937 beschäftigten sich die Schüler mit den unterschiedlichsten Aspekten der Darstellung von Krieg und Gewalt in der Kunst. Eine Gruppe untersuchte den öffentlichen Raum auf Denk- und Mahnmale und wurde auf dem Marktplatz beim Ehrenmahl, ursprünglich für die Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71 errichtet, fündig. Das Mahnmal für die ermordeten Ahlener Juden vor der ehemaligen jüdischen Schule  in der Klosterstraße ist dagegen sehr viel kleiner.

Auch in der Darstellung der Opfer und Täter machten die Schüler deutliche Unterschiede aus. Während die Täter in den heldenhaften Darstellungen im Mittelpunkt stehen wie zum Beispiel Marianne bei Eugène Delacroix, werden die Opfer zumeist an die Seite gerückt.

Die Auseinandersetzung mit der Darstellung der Helden in der Historienmalerei implizierte eine eingehendere Betrachtung der Gewaltdarstellung im Menschen- und Körperbild. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die klassische Proportionsfestlegung durch den griechischen Bildhauer Polyklet jahrhundertelang Vorbildcharakter behielt. Die Renaissance rezipierte die Antike und ihr Schönheitsideal, das von Rembrandt durch seine Abweichung vom klassischen Schönheitskanon durchbrochen wurde.

Spannend wird es im 20. Jahrhundert. Vielfach löst die Fotografie die bildnerische Darstellung ab, wobei die Fotografie nach 1945 vor allem den Schrecken des Krieges darstellt. Die NS-Zeit kennt nur die Heroisierung von Frau und Mann. Mit dem Wirtschaftsaufschwung setzte sich in Deutschland

ein neues Schönheitsideal durch, das mit Twiggy bei den Frauen und dem muskulösen durchtrainierten Mann beschrieben werden kann. Mit dem Frauenbild in der muslimischen Kultur

durch die iranische Fotografin Shirin Neshat und die nachdenklich stimmenden Positionen zu Geschlechterdetermination und Gewalt endet die Ausstellung und das Unterrichtsprojekt.

 

Im Foyer des Städtischen Gymnasiums stellen die Mitglieder des Kunstgrundkurses Q 2 ihre aufschlussreichen Ergebnisse des Unterrichtsprojektes zum Thema Krieg und Gewalt in der bildenden Kunst vor. Auch die kommissarische Schulleiterin Anne Giebel (3.v.r.) verfolgte die Ausführungen der Schüler. (Foto: Dierk Hartleb)


Kategorie: Kunst



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